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Kalender 2017 - Juli

07 juli

Trauer

Verlust und Trennung gehören zur menschlichen Existenz. Geliebte Personen sterben oder verlassen uns, wir verlieren den langjährigen Arbeitsplatz oder müssen Abschied von einer vertrauten Umgebung nehmen. Angesichts einer schweren Erkrankung stellen wir fest, dass die gewohnte körperliche Unversehrtheit nicht mehr existiert. Oder wir müssen uns von früheren Träumen und Lebenszielen verabschieden.

Sind Menschen mit derartigen Verlusterfahrungen oder unerwünschten Ereignissen konfrontiert, die in der Psychologie auch als „kritische Lebensereignisse“ bezeichnet werden, reagieren sie mit Trauer. Das Gefühlsspektrum dieser Basisemotion reicht von Niedergeschlagenheit und getrübter Stimmung über Ohnmacht und Hilflosigkeit bis hin zu tiefer Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Das eigene Selbst- und Weltverständnis ist erschüttert, die bisherige persönliche Welt existiert nicht mehr. Trauerprozesse sind notwendig, um den erlittenen Verlust zu verarbeiten und im besten Fall zu einer neuen, konstruktiven Weltsicht zu gelangen.

Menschen trauern unterschiedlich. Manche ziehen sich völlig aus der Welt zurück, andere suchen Gemeinschaft und Gespräch, um mit ihren Gefühlen zurechtzukommen. Gemeinsam ist allen Trauernden, dass sie aus ihrem vertrauten Lebenskontext herauskatapultiert wurden und Zeit brauchen, um zu lernen mit der veränderten Situation umzugehen.

In der Emotionsforschung wird der Prozess des Trauerns häufig in Phasenmodellen dargestellt. Sie beziehen sich primär auf den Verlust geliebter Menschen, können aber auch auf andere Trauererfahrungen übertragen werden. Eines der bekanntesten ist das Modell der Schweizer Psychoanalytikerin Verena Kast, nach dem Trauerprozesse in vier Stadien verlaufen:

1. Nicht-Wahrhaben-Wollen

In der ersten Phase nach dem Verlust herrscht ein schockartiger Zustand vor. Die Betroffenen erscheinen starr und empfindungslos, die emotionalen Reaktionen sind zunächst zu überwältigend, um sie zulassen zu können.

2. Aufbrechende Emotionen

Die zweite Phase führt die Trauernden durch ein Gefühlschaos. Intensive und wechselnde Emotionen beherrschen ihr Erleben. Sie fühlen sich niedergeschlagen und verzweifelt, hilflos und ohnmächtig, aber auch ängstlich oder wütend. Vielen machen auch Schuldgefühle zu schaffen.

3. Suchen und Sich-Trennen

In der dritten Phase setzt ein intensiver Verarbeitungsprozess ein. Betroffene fühlen sich durch vertraute Tätigkeiten oder Geräusche an das Verlorene erinnert, sie suchen und finden Situationen, die die Erinnerung wach halten, und müssen sich dann doch wieder verabschieden und trennen. Auf diese Weise wird der Ablösungsprozess allmählich vollzogen.

4. Neuer Selbst- und Weltbezug

Allmählich wird der Verlust akzeptiert. Gefühle lösen sich vom verlorenen Objekt, die Trauernden „verlernen“ schrittweise alte Lebensmuster und entwickeln neue, die zur veränderten Situation passen.

Trauer verläuft nicht linear. Immer wieder kommt es zu Rückfällen in bereits überwunden geglaubte Stadien, so dass der Verlust erneut bearbeitet werden kann und muss.

Trauern bedeutet aktive Selbstregulierung der Psyche angesichts einer Verlusterfahrung. Doch nicht immer gelingt dieser Prozess: Werden die Phasen nicht durchlebt, die Gefühle nicht zugelassen oder ein Neubeginn blockiert, kommt es zu unterdrückten oder verschleppten Trauerreaktionen, die häufig psychische Erkrankungen zur Folge haben. Gelingt der Trauerprozess aber, bietet er auch Chancen zu persönlichem Wachstum.

 

Gesund: Mit Trauer leben
https://www.youtube.com/watch?v=n-3ZJQJijdw

5 Stages of Grief and the Grieving Process
https://www.youtube.com/watch?v=TXHDAtk8cAI

 


Quellen/Sources: